Gastvortrag von Marco Rüth, Nicolas Seiffert & Daniel Zimmermann am 22.01.2019: Das menschliche Blickverhalten: Über Geschlechterunterschiede unter natürlichen Bedingungen und mobiles Eye-Tracking

Ringvorlesung Master Intermedia
Di, 22.01.2019 | 18:00 Uhr
Institut für Kunst & Kunsttheorie | Block B | .theater
R 2.212 | Gronewaldstraße 2 | Köln

Ein funktionierendes visuelles System ermöglicht für viele Menschen die wichtigste Sinnesmodalität, das Sehen. Denn einerseits nehmen visuelle Wahrnehmungen eine zentrale Rolle dabei ein, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und mit ihr interagieren. Andererseits besitzen visuelle Wahrnehmungen auch eine wichtige Funktion zur Handlungsvorbereitung und Informationsverarbeitung. Die Selektion bestimmter Reize geschieht mittels verschiedener kognitiver Prozesse und führt zur sogenannten selektiven Aufmerksamkeit. So betrachten Menschen oft jene Reize, die für sie von besonderem Interesse sind. Aufgrund von Zusammenhängen zwischen selektiver Aufmerksamkeit, Blickbewegungen und kognitiven Verarbeitungsprozessen sowie damit verbundenen Verhaltensweisen, stellen Einflussfaktoren auf das menschliche Blickverhalten ein wichtiges Forschungsfeld dar. Nachdem sich die bisherige Forschung zu diesen Einflussfaktoren auf Umweltfaktoren – z.B.  Stimuluseigenschaften – konzentriert hat, finden nun auch personenbezogene Faktoren – z.B. Persönlichkeitseigenschaften – Beachtung. Einer dieser personenbezogenen Faktoren ist das Geschlecht der Person. Bisherige Forschungsarbeiten konnten bereits Unterschiede im Blickverhalten von Männern und Frauen feststellen, vor allem beim Betrachten von Gesichtern, Bilder berühmter Persönlichkeiten und sexuellen Stimuli. Viele Studien nutzen jedoch komplexe Szenen, um das Blickverhalten unter natürlichen Bedingungen zu untersuchen. Daher hat das in diesem Vortrag vorgestellte Forschungsprojekt untersucht, inwiefern sich die bereits gefundenen Geschlechterunterschiede auch auf andere Bildkategorien generalisieren lassen. Ziel des Projektes war außerdem festzustellen, inwiefern die in vielen Studien unterschiedlichen Geschlechterverteilungen in den Stichproben die auf statistischen Maßen und Methoden basierenden Ergebnisse verzerren. Dieser Vortrag besteht aus zwei Abschnitten. Zuerst wird das zur Untersuchung der obigen Forschungsfragen durchgeführte Experiment vorgestellt. Dazu werden der theoretische Hintergrund, der Aufbau sowie die Ergebnisse der Untersuchung und die Implikationen dieser für die Eyetracking-Forschung dargestellt und gemeinsam diskutiert. Dabei werden die Ergebnisse kritisch beleuchtet sowie Potenziale und Aussichten für zukünftige Forschungsarbeiten ausgemacht. Anschließend stellen wir mobiles Eye-Tracking als Methode vor und demonstrieren eine Messung von Blickbewegungen unter realen Bedingungen. Abschließend werden auch die Potenziale und Grenzen dieser relativ neuen Methodik kritisch diskutiert.

Daniel Zimmermann arbeitet seit 2014 am Lehrstuhl für Sozial- und Medienpsychologie an der Universität zu Köln, zuerst als studentische Hilfskraft und seit 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er studierte sowohl B.Sc. Psychologie als auch M.Sc. Psychologie an der Universität zu Köln. Das hier vorgestellte Projekt „Geschlechterunterschiede im Blickverhalten unter natürlichen Bedingungen“ stellte auch gleichzeitig seine Masterthesis dar. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Nutzerrepräsentationen in fiktiven und narrativen Welten sowie in der Nutzungswirkung von Virtual Reality in verschiedenen Medien wie zum Beispiel Nachrichten und Gaming.

Marco Rüth ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Sozial- und Medienpsychologie an der Universität zu Köln. Im Bereich der digitalen Bildung arbeitet er seit 2019 im Projekt „Heterogenität und Inklusion gestalten – Zukunftsstrategie LehrerInnenbildung Köln (ZuS)“ und koordiniert die Projekte „Professional Sense of Vision“ und „DOCommunication – Schlüsselkompetenz Erstgesprächsführung“. Zuvor studierte er Kognitionswissenschaften in Osnabrück und Neuro- und Verhaltenswissenschaften in Tübingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Evaluation von E-Learning sowie der Zusammenhang zwischen visueller Aufmerksamkeit und Lern- und Gedächtnisprozessen (weitere Informationen unter: http://www.marcorueth.com/ ).

Nicolas Seiffert ist seit 2018 studentische Hilfskraft der Abteilung für Sozial- und Medienpsychologie an der Universität zu Köln und bringt seine fachlichen Kompetenzen in die Projekte „Professional Sense of Vision“ und „DOCommunication – Schlüsselkompetenz Erstgesprächsführung“ mit ein. Zuvor hat er die IHK Ausbildung „Mediengestalter*in für Bild und Ton“ absolviert und ist seither als freiberuflicher Medienproduzent, in der Medienlandschaft Köln, unterwegs. Dabei leitet er ein breites Spektrum an Medienproduktionen in den Bereichen: Image-, Event-, Werbefilm und Social Media Content. Seit 2018 studiert er zudem den Bachelorstudiengang „Intermedia“ an der Universität zu Köln.