Gastkünstlervortrag von Gabriele Horndasch: S Letter

DIE KÜNSTLER SIND ANWESEND
Zeitgenössische Positionen künstlerischer Praxis und Theorie

Donnerstag 22.11.2018 | 18 Uhr
Block C | Studio R 0.319
Gronewaldstraße 2 | Universität zu Köln
Humanwissenschaftliche Fakultät | Institut für Kunst & Kunsttheorie

Gabriele Horndasch ist Bildhauerin, die sich zwischen den Disziplinen bewegt. Sie lebt in Düsseldorf und hat in den letzten Jahren längere Arbeitsaufenthalte in Frankreich, Südkorea, Polen und den Niederlanden verbracht.
Ein durchgängiges Element ihrer Arbeit ist die Schrift: Buchstaben, Wörter, Sätze, die wir bei ihr in völlig neuen Sinnzusammenhängen erleben. „Horndaschs Kunst setzt dort an, wo unsere Alltagswirklichkeit unser Denken und Verhalten mit den Zeichen der Sprache fest im Griff zu haben scheint. Der sinnvollen Inhaltlichkeit unserer geschriebenen Sprache rückt sie […] zu Leibe…  „Raub im Schatten/ Wo Sperber vor Vergnügen/ rosa Kirschen nippen“, heißt es da.

Oder: „Gib Narkose/ verschütt Propangas/ Wir verbrennen im Porsche neu.“ Mit Wörtern halten Sinnlosigkeit und Parodoxie in unser vertrautes sprachliches Zeichensystem Einzug. Und damit verbunden verlieren wir nicht nur die Sicherheit der Orientierung, sondern unsere Fantasie wird zugleich mit allerhand Verrücktheiten beflügelt. So scheinen nicht mehr die Zeichen selber als das Wesentliche, sondern der Raum „zwischen den Zeichen“, in dem wir uns verlieren und uns finden können. Und dabei wissen wir plötzlich nicht mehr so recht, ob wir den Zeichen, denen wir sonst ungefragt folgen, tatsächlich trauen können. Eine Welt aus zerhackten Buchstabensystemen ist brüchig. Und alles könnte auch ganz anders sein. Das spricht als Erkenntnis aus Horndaschs Wortbildern. Und damit aktualisiert sie die ebenso radikalen wie witzigen Wortspielereien der Dadaisten ebenso wie die Sprachkritik der Dichter der Konkreten Poesie…“ Zitat Jürgen Küsters 2012

Zu ihrem Projekt S Letter schreibt Doris Krystof 2016
[…] Um das Leuchten, Ausleuchten, Beleuchten und zum Leuchten bringen geht es auch in der geradezu spektakulären zweiten Arbeit von Gabriele Horndasch, in der die ausgeprägte Neigung der Künstlerin zum Filmischen und Performativen zum Ausdruck kommt: „Selbstzensur“, eine neunkanalige Videoinstallation, ist eigens für die große Hallendecke des Kunstvereins entstanden. Flächendeckend flimmern die neun Bilder einer langsam durch Paris schreitenden Frau – es ist die Künstlerin selbst – über den Köpfen der Ausstellungsbesucher. Jedes der neun Filmbilder führt in eine andere, jeweils typische Pariser Szenerie, bisweilen tauchen Straßenschilder auf und lassen den eingeschlagenen Weg lokalisieren. Die Künstlerin trägt dabei ein am Oberkörper befestigtes kegelförmiges Leuchtobjekt, das unschwer als eine Nachbildung der sogenannten Tabak- Karotte auszumachen ist, ein eingängiges Leuchtzeichen in Rot, das in Frankreich an Hausfassaden auf die Existenz eines jener ehemals staatlich betriebenen Bar Tabac-Läden hinweist. […]

Gabriele Horndasch, geboren in Aschaffenburg, studierte von 1993-1998 an der Kunstakademie Düsseldorf, Bildhauerei und Film/Video bei Nan Hoover und Stephan Sachs. Ihr Studium schloss sie als Meisterschülerin und mit dem Akademiebrief bei Irmin Kamp und Janis Kounellis ab.
Derzeit nimmt sie an der digitale http://die-digitale.net/ in Düsseldorf teil.